Neuigkeiten im Fall Winnenden

Vier Jahre ist es nun her, dass Winnenden und Wendlingen bei Esslingen, in der Nähe von Stuttgart, von einem grausamen Amoklauf erschüttert wurden. Der 17-jährige Tim K. tötete im März 2009 15 Menschen und richtete sich zum Schluss selbst, nachdem er sich eine mehrstündige Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert hatte und im Zuge dessen elf Menschen verletze, die in Krankenhäuser eingeliefert werden mussten.

Tims Vater wird zur Rechenschaft gezogen

Die juristische Aufarbeitung der Tat nimmt viel Zeit in Anspruch. Der Vater von Tim wurde bereits wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr und neun Monaten Haftstrafe verurteilt. Es war seine Waffe, die Tim unverschlossen im Keller zugänglich war und das Massaker überhaupt erst ermöglichte. Seine Verteidiger legten jedoch Revision ein und so kam es, dass der Bundesgerichtshof in Karlsruhe das Urteil mehr als drei Jahre nach der Tat wegen eines Verfahrensfehlers aufhob. Die Begründung lautete, es habe keine Befragung der Familientherapeutin als wichtige Zeugin gegeben. Der Fall wurde an (die siebte Große) Strafkammer des Landgerichts Stuttgart übergeben. Diese sprach im Februar 2013 ihr Urteil. Die Strafe wurde auf ein Jahr und sechs Monate reduziert. Die Kammer war jedoch ebenfalls der Meinung, dass Tims Vater die Tat hätte verhindern können, wenn er seine Waffe und die dazugehörige Munition vorschriftsmäßig verwahrt hätte.

Versicherungsansprüche zweier Parteien

Insgesamt geht es in Summe um einen Betrag um die 9 Millionen Euro. Zum einen fordert die Stadt Winnenden Geld, um die entstandenen Sachschäden zu beheben. Es geht vorrangig um die Behebung der noch immer sichtbaren Spuren am Schulgebäude. Diese wären vor allem zu beseitigen, da sie Schüler wie Lehrer seelisch belasten und eine Zumutung für alle damals Beteiligten darstellen, aber auch die Angst als Mahnmal nicht zur Ruhe kommen lassen. Die Stadt hat sich bereits um eine außergerichtliche Einigung bemüht, die jedoch zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis kam. Des Weiteren verjähren die Ansprüche Ende dieses Jahres. Zum anderen gibt es einige Kläger, die Schadensersatz für Personenschaden einfordern möchten. Tims Vater ist bei der Allianz AG haftpflichtversichert. Die Deckungssumme der Haftpflichtversicherung splittet sich in Personen- und Sachschäden. Die Allianz AG ist der Meinung, dass auch die nötigen Arbeiten am Schulgebäude als Personenfolgeschäden zu deklarieren sind, und somit ebenfalls aus der Deckungssumme von 2 Millionen für Personenschäden getilgt werden müssen. Die Stadt Winnenden und die Opferangehörigen und Verletzten stehen sich hier also mit ihren Ansprüchen als Konkurrenten gegenüber. Die einzige Möglichkeit, um der Konkurrenzsituation aus dem Weg zu gehen, besteht nun in einer Klage.

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