Schweizer fordern bedingungsloses Grundeinkommen

Am vergangenen Freitag wurden die Listen mit über 130.000 Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht. Die Schweizer wollten einen Volksentscheid über die Frage, ob es für jeden Schweizer ein bedingungsloses Grundeinkommen geben soll und waren erfolgreich! In ein paar Jahren dürfen die Bürger über die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens abstimmen.

Geld für jeden – ohne Gegenleistung

Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens ist keine neue. Abgesehen davon, dass viele Länder schon politisch angeheizte Diskussionen über diese Möglichkeit führen, gab es sogar schon Pilotprojekte in Brasilien und Namibia. Die Grundidee besteht darin, jedem Bürger einen festgelegten Geldbetrag im Monat zur Verfügung zu stellen, ohne, dass dieser dafür eine Gegenleistung erbringen muss. Ebenfalls ist diese Leistung unabhängig von sozialem Status oder vorhandenem Einkommen.

Grundeinkommen - Forderung in der Schweiz

Grundeinkommen – Forderung in der Schweiz

Finanzierungsfrage

Grundsätzlich haben sich in vielen Ländern zu diesem Thema zwei Lager gebildet. Aber auch was die Finanzierungsfrage des Anliegens betrifft ist man sich nicht einig. Während die einen meinen, wenn man sämtliche bisherige Sozialleistungen in einen Topf schmeißen würde, ließe sich das Grundeinkommen finanzieren, sind die anderen der Meinung, der Staat würde sich mit dem Vorhaben in den finanziellen Ruin wirtschaften.

In der Schweiz stehen als realistische Vorstellung 2.500 Schweizer Franken pro Monat im Raum. Dies entspricht ca. 2.000 Euro. Gemessen an den wesentlich höheren Lebenshaltungskosten der Schweiz sollten damit ein genügsames Leben und die Teilnahme am öffentlichen Leben sichergestellt sein.

Zukunftsmusik

Sollten die Schweizer beim anstehenden Volksentscheid für das Grundeinkommen stimmen, so kann es ab 2050 für jeden Schweizer möglich sein, sich frei zu entscheiden, ob er zur Aufstockung seines Grundeinkommens noch arbeiten gehen möchte oder aber genügsam ist und sich ein schönes Leben auf dem Sofa macht. Zwei Szenarien haben Forscher mittlerweile aufgestellt: Es könnte passieren, dass man mit dem Grundeinkommen eine antriebslose Nation schafft, die den Anschluss an die Globalisierung verpasst. Im besseren Falle schafft man Raum und Zeit für Engagement in vielerlei Hinsicht, z.B. auch sozial und ehrenamtlich.

Wahrscheinlichkeitsrechnung

Seit Ende des 19. Jahrhunderts haben die Bürger der Schweiz knapp 400-mal versucht, eine Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen durchzusetzen. Letztendlich sind sie alle gescheitert. Die einen etwas früher, also schon bei der Unterschriftensammlung, die anderen etwas später. Spätestens wenn es darum ging, die Verfassung zu ändern, fehlte die zwingend notwendige Mehrheit der Kantone. Es bleibt also spannend, welchen Ausgang das Prozedere diesmal haben wird und ob wir Zeugen einer Revolution des Schweizer Sozialsystems werden dürfen.